Nicht modellkonforme VSA-KEK-Dateien: Ursachen, typische Fehler und Lösungen
- Deborah Marcandella

- 23. Sept.
- 3 Min. Lesezeit
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Manchmal läuft es so: Datei exportieren, verschicken, importieren – und fertig. Zumindest in der Theorie. In der Praxis ist das Ganze oft nicht ganz so einfach: Fehlermeldungen, abgebrochene Prozesse, ratlose Gesichter. Besonders bei VSA-KEK-Dateien ist der Grund häufig derselbe: Die Datei ist nicht modellkonform.
Was bedeutet das? Modellkonform heisst, dass sich eine Datei strikt an die in einem INTERLIS-Modell definierten Strukturen und Regeln hält. Ist das nicht der Fall, wird von „nicht modellkonform“ gesprochen. Für den Datenaustausch ist das fatal – denn viele Import- und Prüfwerkzeuge kommen damit nicht zurecht. Oft muss ein grosser Aufwand betrieben werden, um die Dateien (manuell) zu bereinigen, so dass die Schnittstelle diese verarbeiten kann.
Im Artikel Datenvalidierung: Modelle prüfen und bereinigen habe ich erklärt, wie du eine INTERLIS-Datei auf das richtige Modell prüfen kannst. Hier gehe ich einen Schritt weiter und zeige dir typische Fehlerquellen speziell für VSA-KEK-Dateien – und wie du sie behebst.
Typische Fehlerbilder bei VSA-KEK-Dateien
🔹Strukturverletzungen Beispiel: Der XML-Tag <COMMENT /> steht vor der Modell-Deklaration (XML-Tag <MODELS />). Das widerspricht der INTERLIS-Syntax und verhindert oft schon das Einlesen der Datei.

Oder es werden in der DATASECTION nicht sauber deklarierte Baskets angegeben.

Ungültige Referenzen (REF):

🔹Zusätzliche Attribute Manchmal tauchen in den Daten Attribute auf, die im offiziellen VSA-KEK-Modell gar nicht existieren. Oft stammen sie aus individuellen Modellerweiterungen – diese werden aber beim Datenaustausch in der Regel nicht mitgeliefert, sodass die Gegenseite die zusätzlichen Attribute nicht interpretieren kann.

🔹Falsche Wertebereiche Ein Attribut erlaubt laut Modell nur bestimmte Werte, in der Datei taucht aber ein anderer Wert auf – schon ist die Modellkonformität verletzt.

Erlaubt sind:
bedeckt_regnerisch
Nieselregen
Regen
Schneefall
schoen_trocken
unbekannt
🔹Versionskonflikte Die Datei ist gemäss Modell-Deklaration ein VSA-KEK 2008. Die Schadenscodierung wurde aber gemäss nach Merkblatt 2019 gemacht. Dies führt zu Konflikten bei den Wertebereichen der Schadenscodierung.
🔹Inkonsistente Textattribute Falsche Zeichencodierung, unterschiedliche Schreibweisen oder unerwartete Sonderzeichen führen zu Problemen – selbst wenn das Modell an sich korrekt ist.
Warum der ilivalidator nicht helfen kann
Der ilivalidator prüft, ob eine Datei zum Modell passt – vorausgesetzt, die Datei ist formal gültig. Liegt jedoch schon ein struktureller Fehler vor, kann der Validator die Datei nicht einmal vollständig einlesen. Das bedeutet: Die eigentliche Modellprüfung findet gar nicht erst statt.
Typische Fehlermeldungen
<COMMENT> vor <MODELS> → Error: no models given to look for
Ungültige REF → Error: unexpected reference value <>
Unsauber deklarierte Basket → Error: java.lang.NullPointerException
Lösungsansätze
1️⃣ Manuelle Bereinigung
Datei in einem geeigneten Texteditor (z. B. Notepad++ oder VS Code) öffnen
Struktur anpassen (z. B. Models an die richtige Stelle setzen)
Unzulässige Attribute entfernen
Überflüssige Modelle entfernen
…
2️⃣ Eigene Skripte oder Tools
Python-Skripte, um wiederkehrende Fehler automatisch zu bereinigen
FME-Workbenches, um Attribute zu mappen oder Strukturen anzupassen
3️⃣ Prüfung vor dem Austausch
Interne Validierung durchführen, bevor eine Datei an Dritte geht
Bei Modellerweiterungen immer das Erweiterungsmodell mitliefern
4️⃣ Schnittstellenprobleme ansprechen
Probleme und Fehler bei Exportschnittstellen mit Softwarehersteller besprechen
Best Practices
✅ Datei vor nach dem Export und vor dem Import zumindest grob prüfen
✅ Versionen konsistent halten – keine Mischungen 2008/2019
✅ Attribute und Wertebereiche kontrollieren
✅ Grundwissen zu INTERLIS auch bei Nicht-Technikern fördern
✅ Probleme mit Exportschnittstellen mit Softwarehersteller besprechen
Fazit
Nicht modellkonforme VSA-KEK-Dateien sind kein Randproblem, sondern eine der häufigsten Ursachen für abgebrochene Importe. Die gute Nachricht: Mit klaren Prüfprozessen, etwas INTERLIS-Know-how und den richtigen Werkzeugen lassen sich viele Fehler vermeiden – oder zumindest schnell beheben.


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